Wahnsinn, Moderne, Vielfalt – Das Phänomen Megastadt

17. September 2017

Wahnsinn, Moderne, Vielfalt – Das Phänomen Megastadt
 
Megacity, Megastadt oder Riesenstadt. Begriffe, die jeder kennt oder zumindest schon mal gehört hat. Laut der Definition der Vereinten Nationen gilt eine Stadt als Megacity, wenn sie die 10-Millionen-Einwohnermarke geknackt hat, was heutzutage auf circa 30 Städte weltweit zutrifft. Ein ziemlich starker Anstieg, wenn man bedenkt, dass es bis zum Jahr 1975 noch mit Tokio und New York lediglich zwei solcher Stadtexemplare gab. Doch was wirkt eigentlich so anziehend auf Menschen im Bezug auf derart große Agglomerationsräume? Schaut man sich den bevölkerungsreichsten Vertreter aller Megacities, Tokio, an, so stößt man auf für europäische Dimensionen schlicht unvorstellbare Zahlen. Über 35 Millionen Einwohner zählt die japanische Hauptstadt, wovon teilweise bis zu 20.000 auf einem einzelnen Quadratkilometer wohnen, essen, schlafen, feiern, arbeiten, kurz gesagt ihr Leben leben. 35 Millionen, das entspricht ungefähr der neunfachen Einwohnerzahl Berlins, ist gewiss selbst unter den Riesenstädten eine Ausnahme, doch sind die zweit- und drittgrößten Städte oder Metropolregionen Jabotabek (Jakarta, Bogor, Tangerang und Bekasi) mit fast 30 Millionen sowie Delhi mit rund 24 Millionen Einwohnern, ebenfalls Giganten und diese wachsen weiter. Laut Angaben der indonesischen Regierung wird die Metropolregion Jabotabek im kommenden Jahr 2016 erneut um mehr als zwei Millionen Einwohner zunehmen. Doch wie stark genau sich Riesenstädte letzten Endes entwickeln, lässt sich nur schwer vorhersagen. Auch die exakte Einwohnerzahl ist für viele dieser Städte nicht wirklich erfassbar. Wesentliche Gründe für die Anziehungskraft solcher bevölkerungsstarken Metropolen sind, genau wie bei kleineren Großstädten beziehungsweise Ballungsräumen, natürlich zunächst einmal die im Vergleich zum Land deutlich besseren Berufschancen und Aus- sowie Weiterbildungsmöglichkeiten. Dieser simple wie schlagkräftige Anziehungsfaktor ist nach wie vor das wahrscheinlich wichtigste Argument. Vor allem in den ländlichen Regionen weiter Teile Asiens, Afrikas oder Südamerikas aber durchaus auch in denen der so genannten westlichen Hemisphäre oder in Australien sieht es für die Mehrheit der Menschen karrieremäßig und leider auch existenzmäßig schlecht aus. Allerdings erklärt das allein nicht das Entstehen von teils katastrophal überfüllten Megacities. Hierbei muss auch das allgemein rasante Bevölkerungswachstum asiatischer und afrikanischer Länder mit in Betracht gezogen werden und das dadurch bedingte Zusammenwachsen immer größer werdender benachbarter Städte zu Metropolregionen oder gar einer kompletten Megastadt. Problematisch dabei ist jedoch die öffentliche Verwaltung solcher unübersichtlichen Ballungszentren sowie die zumeist völlig überlastete Infrastruktur und die hohe Umweltverschmutzung aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens. Nicht zu vernachlässigen sind zudem die Armutsviertel beziehungsweise Slums dieser Städte und die damit einhergehende Kriminalität. Aus diesen Gründen ist und bleibt die Zukunft von ständig wachsenden Megastädten und deren mitwachsenden Problemen höchst ungewiss.
 
                       von Patrick Fanghänel